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Reichsstadtmuseum Rothenburg

Medien der Reformation

Kampf der Konfessionen (02.10.2016-31.12.2017)


Mit dem "Papstesel" zu Rom und dem "Mönchskalb zu Freyberg" beschrieben Melanchthon und Luther jeweils die Verkommenheit der römischen Kurie.

Flugschriften der Reformation als Medienereignis

1554 gelangte mit der Bibliothek des ansbachisch-markgräflichen Kanzlers Georg Vogler mit 58 Bänden eine der bedeutendsten Flugschriftensammlungen in Rothenburger Besitz. Ihre Inhalte zu vermitteln und die Umwälzungen der Medienlandschaft des frühen 16. Jahrhunderts darzustellen, hat sich das Reichsstadtmuseum mit dieser Sonderausstellung zur Aufgabe gemacht.

Die theologischen Inhalte waren breit gestreut. Rechtfertigungslehre, Papst- und Kleruskritik, kontrastierende Darstellungen evangelisch-biblischer und römisch-katholischer Lebens waren die Hauptthemen. Dabei sollte weniger Wissen vermittelt als Meinung zum Zweck der Überzeugung propagiert werden. Auf welchem Weg dies geschah, ist bis heute noch nicht vollständig geklärt. Sicher gab es damals humanistisch aufgeklärte Diskussionszirkel wie der um Willibald Pirckheimer (1470-1530) in Nürnberg, in denen diese Blätter gelesen und diskutiert wurden. Durch den großen Kreis der Analphabeten (ca. 90% der Gesamtbevölkerung) müssen aber auch an Formen mündlicher Vermittlung in Betracht gezogen werden wie z.B. Predigten, Vorlesen im privaten Kreis oder propagandistische Reden im öffentlichen Raum.

Auch für Rothenburg sind einige Fakten hierzu überliefert. In der zeitgenössischen Chronik des Thomas Zweiffel wird anschaulich geschildert, dass aus einem konspiratorischen Intellektuellenzirkel heraus die protestantische Botschaft in große Teile der Bevölkerung getragen wurde. Darunter befanden sich einige Ratsherren, theologisch gebildete Personen, aber auch Cuntz Kern, der buchtrucker. Dies ist umso bedeutsamer, da Zweiffel darüber hinaus erwähnt, dass die Thesen Karlstadts in Rothenburg selbst hie gestellt, geschriben, getruckt und ausgetragen wurden. Predigten und Reden fanden an vielen Orten und zu allen Zeiten statt: am markt, in gassen, uff den kirchhofen und anderen enden ... predigten und sagten einander sölich new materien, was sie dero in buchern hetten, lasen und wisten. Wie sehr die katholische Kirche nicht nur als religiöse Instanz, sondern auch als Machtinstitution ins Kreuzfeuer geriet, lässt sich leicht daran ablesen, dass die im Zuge der zunächst religiös gemeinten Attacken auf die Autoritäten bald in Handgreiflichkeiten in Form des Bauernkriegs umschlugen.