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Deutschordensmuseum Bad Mergentheim

eine umgefallene Bibliothek - Carl Julius Weber zum 250. Geburtstag

Studioausstellung vom 30. September – 26. November 2017


Der Schriftsteller und Satiriker Carl Julius Weber (1767-1832), dessen Schriften die für das beginnende 19. Jahrhundert gewaltige Auflage von rund 500.000 Exemplaren erreichten, stammt aus Hohenlohe. Mit spitzer Zunge und flinker Feder kommentierte er das Leben im 19. Jahrhundert. Im Jahr 1792 – im Alter von 25 Jahren – kam er nach Mergentheim, da hatte er bereits ein Studium des Rechts absolviert, war zwei Jahre Hauslehrer gewesen und hatte Reisen sowie Wanderungen durch die Schweiz, Südfrankreich und Oberitalien unternommen. Acht Jahre tat er Dienst als Privatsekretär bei dem Statthalter des Hoch- und Deutschmeisters Maximilian Franz von Österreich, Graf Christian zu Erbach-Schönberg (1728-99). Weber schreibt: „In dem letzten Zehend des verflossenen Jahrhunderte lebte der Verfasser am Hofe zu Mergentheim, dem Sitze des Deutschen Ordens, die angenehmsten Jahre seines Lebens. Es war ein gastfreies Höfchen, besucht von vielen Fremden, und oft von sehr interessanten Fremden während der ewigen Kriegszüge. Die Unterthanen des kleinen Ordensstaates waren vielleicht die glücklichsten und zufriedensten aller deutschen Unterthanen, …“ Weber hat außerdem Hochmeister Maximilian Franz sehr geschätzt, ihn aber auch mutig karikiert: „Ein größerer Fehler als sein burlesker (derber) Witz war seine ungeheure Eßlust, die ihn zum dicksten Fürsten seiner Zeit machte (er brachte es auf 480 Pfund), … er war der geistreichste Hochmeister…; er hätte verdient, nach Joseph den Kaiserthron zu besteigen.“

In Diensten des Statthalters reiste Weber zu den fränkischen Reichstagen nach Nürnberg, in benachbarte Höfe und nach Bonn, wo Maximilian Franz als Kurfürst von Köln residierte. Am Rastatter Kongress nahm er von 1797 bis 1799 als Beobachter teil. Gleichzeitig erwarb sich Weber fundiertes Wissen über den Deutschen Orden, das in seine von 1822-24 veröffentlichte Schrift „Das Ritter-Wesen und die Templer, Johanniter und Marianer oder Deutsch-Ordens-Ritter insbesondere“ einfloss. Nachdem sein Dienstherr verstorben war, verließ Weber 1799 Mergentheim, wohnte in König (heute Bad König im Odenwald) und trauerte den acht Jahren in der Stadt hinterher: „In meinem 37. Jahr fiel ich wie vom Himmel in ein Dorf, und wollte als verdorbener Städter verzweifeln…“ und „Hier (in König) verlebte ich drei Jahre, wie ich sie Niemand wünschte, ich hatte bisher in der Welt gelebt, hier wohnte ich auf dem Dorfe;…“

Von 1811 bis 1830 lebte der in Langenburg geborene und in Kupferzell begrabene Schriftsteller in Künzelsau – ein willkommener Anlass für die Stadt, ihn zu seinem 250. Geburtstag mit einer Ausstellung zu würdigen, die nun mit Ergänzungen im Deutschordensmuseum gezeigt wird. Sein Lebenslauf und seine Werke werden vorgestellt. Für die Ausstellung wurde eine vergnügliche Folge von Zitaten des Satirikers zusammengestellt. Man kann in digitalen Scans seiner Bücher auf Tausenden von Seiten stöbern und sich in der Leseecke in seine Schriften vertiefen. Erstaunlich ist die langanhaltende Wirkung seiner literarischen Arbeit, ebenso die Vielfalt dessen, was der „lachende Philosoph“ erlebt hat und reflektierte. Dargelegt wird auch der Aufbruch der Wissenschaften, die schon zu Webers Lebzeiten der Menschheit viele Fortschritte brachte.

1820-24 war Weber württembergischer Landtagsabgeordneter. Berühmt wurde er nach seinem Tod für sein zwölfbändiges Werk „Demokritos, oder hinterlassene Papiere eines lachenden Philosophen“, das viele Auflagen erlebte. Hierin entwickelte er anhand eines Panoptikums der Menschenwelt eine Theorie des Lächerlichen. In seinen Werken beurteilt er viele Erscheinungen seines Zeitalters kritisch und mit viel Humor, was es heute noch zum Vergnügen macht, seine Werke zu studieren.

Info:

Die Orte, an denen Carl Julius Weber lebte und wirkte, haben ein gemeinsames Programm erstellt: Künzelsau, Kupferzell, Langenburg, Öhringen

Eine Ausstellung der Stadt Künzelsau, ergänzt im Deutschordensmuseum.

Konzept: Stefan Kraut

Mit Leihgaben aus:

dem Deutschen Literaturarchiv Marbach,
dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg,
dem Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein und der Stadt Künzelsau.

Mit freundlicher Unterstützung:

Literaturland Baden-Württemberg